Liebe Leser,
jedes Jahr am Ende des Winters staune ich, wie sich ganz still und leise
der Frühling bemerkbar macht. Ein erstes Vogelzwitschern am Morgen
oder auch tagsüber. Hier und da sprießt schon frisches Gras oder
zeigen sich erste Knospen an Bäumen und Sträuchern. Die ersten
Schneeglöckchen und Krokusse erscheinen auf einmal auf den Wiesen.
Die Tage werden spürbar länger. Wenn die Sonne mal scheint, hat sie
schon viel mehr Kraft als zu Beginn des Winters...
Ähnlich wie der Winter lag die Corona-Pandemie in den letzten Wochen
und Monaten auf unserem Land. Es gab eigentlich kein anderes Thema
mehr. Viel wurde gestritten und debattiert, ob die Maßnahmen
angemessen waren, ob man sich impfen lassen soll oder nicht. Jeder
musste eine Entscheidung treffen und anschließend mit den
Konsequenzen leben. Menschliche Beziehungen sind an diesen Fragen
zerbrochen. Belegschaften von Firmen, ja ganze Familien und
Freundeskreise haben sich entzweit. Jetzt nach zwei Jahren Krise sieht
es so aus, als ob wir das Ende erreicht haben. Die Infektionszahlen
sind zwar noch hoch, aber die schweren Verläufe sehr selten
geworden. In Nordeuropa und England sind alle Beschränkungen
bereits aufgehoben. Für Deutschland ist in den nächsten Wochen
ähnliches zu erwarten. Es stellt sich die Frage: „Wie geht es nach der
Krise weiter?
Der Bibelvers aus Jesaja 43,19 macht uns Mut. Dort spricht Gott zu den
Menschen: „Siehe, ich schaffe Neues, jetzt wächst es auf, erkennt ihr's
denn nicht?“ Ein Neuanfang bietet neue Chancen. Das Wort Krise
kommt aus dem Griechischen und bedeutet Gericht. In einer Krise
werden Sachen aufgedeckt, die vorher unter der Oberfläche verborgen
waren. Wir haben notgedrungen einander besser kennengelernt. Nun
ist die Zeit der Aufarbeitung der Krise gekommen. Danach sollten
Vergebung und Versöhnung folgen. Gott selbst schenkt die Kraft dazu.
Er selbst hat sich an Karfreitag nicht verschont und die Menschheit mit
sich selbst versöhnt. Dadurch können wir jederzeit im Gebet Vergebung
bei Gott empfangen, und dieses versetzt uns wiederum in die Lage
einander zu vergeben und miteinander neu zu anzufangen. In diesem
Sinne wünsche ich Ihnen allen frohe Ostern, auch im Namen aller
Kirchenältesten.

Ihr Pfarrer Michael Schütt